Trierer Blutsegen

10. Jahrhundert nach Christus



entnommen aus: Braune, Wilhelm/Ebbinghaus, Ernst: Althochdeutsches Lesebuch. Tübingen 1994, S. 90f.
Übersetzung

a) Christus und Judas kämpften mit Speeren. Da verwundete sich der heilige Christus an seiner Seite. Da nahm er seinen Daumen und verdeckte sie vorne, so stoppte das Blut, wie die Strömung des Jordans stoppte, als der heilige Johannes den erlösenden Christus in ihm taufe. Das soll Dir Besserung verschaffen.


b) Christus wurde hier auf Erden verwundet. Das wurde im Himmel bemerkt. Es blutete und schmerzte nicht, auch kein Eiter trat hervor. Das war ein sehr heilbringendes Ereignis. Heilen sollst Du, Wunde!


Im Namen Jesu Christi, dass soll Dir Besserung verschaffen: Dreimal das Vaterunser, wobei Du eben dies dreimal hinzufügst: Ich beschwöre dich bei den heiligen fünf Wunden: Heilen sollst Du Wunde! Und beim Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist soll es geschehen! Es soll geschehen! Amen.


Der Trierer und der Bamberger Blutsegen

Als Bamberger Blutsegen bezeichnet man einen in eine Handschrift des 12. Jahrhunderts mit Exzerpten einer lateinischen Rezeptsammlung in ostfränkischem Dialekt inserierten Textpassus, der sich in zwei oder drei eigenständige Blutsegen aufteilen lässt. Der erste Segen (a) ) weist nach Elias Steinmeyer eine Verbindung zum so genannten Longinus-Segen auf, bei dem das Personal ausgetauscht sei. Andere Forschungen haben konstatiert, dieser Teil sei von einer aus dem Orient stammenden Kindheitsgeschichte Jesu beeinflusst. Der erste, aus drei Reimpaaren bestehende Teil des zweiten Segens (b) ) erinnert stark an den Trierer Blutsegen. Beide evozieren eine Verwundung Jesu, ohne dass der Grund für die Verletzung genannt wird. Da dem Trierer Denkmal kein Prosateil folgt, ist es einerseits verlockend, von drei eigenständigen Segen in der Bamberger Handschrift auszugehen. Hiergegen spricht andererseits aber die wörtliche Wiederholung von heil sis tu wnde (‘Heilen sollst Du, Wunde! ’) und besonders auch der für Zaubersprüche typische zweigliedrige Aufbau aus Historiola und Incantatio, der bei einer Aufteilung in drei Segen verloren ginge. Dem zweiten Bamberger Blutsegen und dem Trierer Blutsegen ist darüber hinaus gemeinsam, dass sie nicht zum Typus des häufig vorkommenden bereits erwähnten Longinussegens gehören. Gleichzeitig bietet der Bamberger Segen aber bezüglich des Wortschatzes Anklänge zum Beispiel an einen weiteren Longinussegen in Prosa in einer Sammelhandschrift (Beginn in Z. 22 der linken Spalte) des 12. bis 14. Jahrhunderts.