Trierer Capitulare

10. Jahrhundert nach Christus


'Trierer Capitulare' Druck S. 35 und 36
Geschichtlicher Hintergrund der Entstehungszeit des Kapitulars Ludwigs des Frommen im 9. Jahrhundert

In der fränkischen Zeit (ca. 520 – 888) kam es erstmals zur Rechtssetzung und zu Rechtsaufzeichnungen in lateinischer Sprache.
Neben die Volks- oder Stammesrechte, die leges barbarorum (ein Spottname aus späterer Zeit), trat das vom König und seinen Beamten geschaffene Königsrecht, dessen Textsammlung man als Kapitularien bezeichnet. Die leges barbarorum, wozu auch die 'Lex Salica' aus merowingischer Zeit gehört, und die Kapitularien zählen zu den ältesten Aufzeichnungen deutschen Rechts.
Die Bezeichnung selbst stammt aus karolingischer Zeit (751-888), in der es zu einer Welle von Kapitularien kam. Die Macht über ein großes Territorium, wie Karl der Große und auch Ludwig der Fromme es beherrschten, erforderte eine Zentralisierung der Staatsgewalt und Einrichtung eines dieser Zentralisierung dienenden administrativen Apparates. Dies wiederum machte die Abfassung vieler Verordnungen nötig.
So finden sich in den Kapitularien Bestimmungen über Angelegenheiten von Verwaltung, Finanzwesen, Beamtenschaft, Kirche, Straf-, Privat- und Prozessrecht.
In der Entwicklung der Gesetzgebung im Mittelalter spielten auch das römische Recht und das Kirchenrecht (Kanonisches Recht), bedingt durch die fortschreitende Christianisierung, eine große Rolle. Viele Kapitularien sind Ausdruck hierfür.
Trotz der Bemühungen der Könige gab es de facto keine einheitliche Reichsgesetzgebung. Ein Juristenstand mit besonderen Rechtskenntnissen existierte ebenfalls nicht. Die Urteilenden waren meist sehr angesehene, einflussreiche Leute, die durch Befragung oder unter Zuhilfenahme von sogenannten Gottesurteilen zur Wahrheit finden sollten und danach, unter Berücksichtigung der Gesetze, Recht sprachen. Als oberster weltlicher Richter galt der König oder Kaiser, der wiederum vom Papst, dem Stellvertreter Gottes auf Erden, dazu eingesetzt war.
Man sah das Recht als Gottes Werk und die Rechtsordnung als Teil der göttlichen Weltordnung.