Trierer Capitulare

10. Jahrhundert nach Christus


entnommen aus: König, Werner: dtv-Atlas Deutsche Sprache. München 152005. S. 230f.
Dialektale Einordnung des 'Trierer Capitulare'

Das Althochdeutsche gliedert sich aufgrund der zweiten Lautverschiebung in verschiedene Dialektalgebiete. Aufgrund von sprachlichen Charakteristika lässt sich das 'Trierer Capitulare' sprachgeographisch in den mittelfränkischen Raum einordnen. Eine konkretere Zuordnung zum moselfränkischen Sprachraum ist nicht möglich, da im Althochdeutschen innerhalb des mittelfränkischen Sprachraums nicht zwischen dem Moselfränkischen und dem Ripuarischen unterschieden wird. Hier folgen nun einige Beispiele zur sprachgeographischen Eingrenzung des 'Trierer Capitulare':

1) bezzera, muzzunga, uzzena, u.a.: Hier erfolgte durch die zweite Lautverschiebung in der Entwicklung vom Germanischen zum Althochdeutschen eine Verschiebung von germ. /t/ zu ahd. /zz/. Dies zeigt, dass sich der Text auf jeden Fall dem hochdeutschen Sprachraum anrechnen lässt.

2) that
: Anders als im sonstigen hochdeutschen Raum erfolgt in diesem speziellen Fall keine Verschiebung vom auslautenden /t/ zu /zz/ bzw. /s/. Dies stellt eine Besonderheit dar, die die Formen that, allet, it und wat betrifft.

3) have, gevene
: Hier wird der labiale Reibelaut [ƀ] in intervokaler Stellung beibehalten (graphisch ˂v˃).

4) bit:
Hier erfolgte ein Wechsel von /m/ zu /b/ in schwachbetonter Stellung des Wortes.

5) ather, wuirthit
: Aus dem germ. /ft/ wird im ahd. /χt/ (graphisch ˂th˃, ˂ht˃).

Mithilfe der Beispiele 2-5 lässt sich der Text eindeutig dem mittelfränkischen Raum zuordnen, da sie Besonderheiten innerhalb des hochdeutschen Sprachraums darstellen, die in diesem Dialektalgebiet verbreitet sind.