Lex Salica-Fragment

9. Jahrhundert nach Christus


Mittelalterlicher Bucheinband - Makulatur - Fragment
oder: Wie man die althochdeutsche 'Lex Salica' wieder entdeckte


Im Jahre 1850 entdeckte Franz Josef Mone im Einband der in der Stadtbibliothek Trier aufbewahrten Inkunabel Nr. 1072 (heute Nr. 200) die Reste eines althochdeutschen Textes, die althochdeutsche 'Lex Salica', welche folglich als Einbandmakulatur dieser Inkunabel genutzt wurde. In der Zeit des aufkommenden Buchdrucks verloren Handschriften an Bedeutung, sodass viele zerschnitten und ihr Pergament anderweitig verwendet wurde. Insbesondere um 1500 wurde das Papier oder das Pergament nicht mehr benötigter bzw. als überflüssig eingeschätzter Bücher häufig als Makulatur zur Verstärkung in Bucheinbänden verwendet (Einbandmakulatur). Dabei wurden die Innenseiten der Buchdeckel in der Regel mit Spiegelblättern aus Pergament oder Papier beklebt. Breitere Pergamentstreifen dienten als so genannte Flügelfälze, die eine zusätzliche Verbindung zwischen Buchblock und Holzdeckel bildeten. Diese wurden entweder um die erste oder letzte Lage gelegt und mitgeheftet, oder sie liefen über den Rücken des Buchblocks. Als vergleichsweise breite Streifen sind sie im Vorder- und Rückendeckel festgeklebt. Darüber wurden schließlich Spiegelblätter geklebt, die als erste und letzte Blätter des Buchblocks zu diesem Zwecke freigelassen wurden. Auf der Verleimung des Deckels haben Flügelfälze und Spiegel, welche mit der Schriftseite in die Deckel geklebt waren, oft ihren spiegelbildlichen Textabdruck hinterlassen, der heute in einzelnen Fällen identifiziert und rekonstruiert werden kann.

Ebenfalls am Ende des 15. Jahrhunderts, etwa zwischen 1496 und 1500, wurde eine im Trierer Kloster St. Maximin aufbewahrte Handschrift, welche wohl eine vollständige Übersetzung der 'Lex Salica' war, in mehrere Fragmente zertrennt. Eines dieser Fragmente stellt die heutige althochdeutsche 'Lex Salica' dar, weitere Bruchstücke der Übersetzung konnten bisher jedoch nicht gefunden werden. Dass dieses Fragment Teil einer vollständigen Übersetzung sein soll, könnte nach Richard Laufner der Eintrag eines Codex mit der Bezeichnung 'liber Theutonicus' in einem Bücherkatalog aus dem 11. Jahrhundert des Klosters St. Maximin beweisen. Auch das in Althochdeutsch verfasste Titelverzeichnis deutet auf die Zugehörigkeit des Fragments zu einer kompletten Übersetzung hin. 1802, während der Besatzungszeit der Franzosen, wurden einige Inkunabeln aus dem Kloster nach Frankreich überführt. Per Dekret wurde später der Träger der 'Lex Salica' in die Stadtbibliothek Trier überführt.

1850 kam es dann zu der Entdeckung des 'Lex Salica'-Fragments in der Inkunabel.
Die althochdeutsche 'Lex Salica' hat heute eine Blattgröße von 126 x 93-98 mm und wird im Tresorraum der Stadtbibliothek Trier aufbewahrt.