Lex Salica-Fragment

9. Jahrhundert nach Christus

Fragment Lex Salica Mappe X Nr. 1


Fragment Lex Salica Mappe X Nr. 1 Rückseite
Die lateinische 'Lex Salica': Entstehung und Überlieferung

Die Entstehung der 'Lex Salica'
Die lateinische 'Lex Salica' wurde wahrscheinlich zwischen 507 – 511 auf Anordnung des Merowingerkönigs Chlodwig (* 466; † 511) verfasst. Sie stellt das Stammesrecht der Franken dar. Die Gründe für die Entstehung dieses Gesetzestextes liegen unter anderem in der Gewinnung neuen Koloniallandes, welche das Bedürfnis nach systematisch verbindlich fixierten Rechtsgrundlagen hervorrief. Die veränderte Situation führte neuartige rechtliche Probleme herbei, die mit den traditionellen Regelungen oft nicht lösbar waren. Bestehende ehemals römische Schrift- und Rechtsstrukturen sowie der noch funktionierende ehemals römische Verwaltungsapparat mit den entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Beamten führten zur Aufzeichnung von Rechtsgewohnheiten. Einen weiteren Grund stellt die Christianisierung der Franken dar: Heidnische Rechtsvorstellungen sollten beseitigt und durch christliche ersetzt werden.
Auch der Blick auf die juristischen Inhalte hat in diesem Zusammenhang nicht zu einer allseits akzeptierten Lösung dieser Fragestellung geführt, da einerseits die Volksrechte dieser Zeit meistens eine nicht zu entwirrende Mischung aus römischem Vulgarrecht und Rechtsgepflogenheiten beinhalten, andererseits die tatsächliche Anwendung der in den Aufzeichnungen festgehaltenen Gesetze und die sich daraus ergebende Bedeutung der Aufzeichnungen für die Lebenswelt zunehmend umstritten ist.
Die Quellen der 'Lex Salica' sind demnach primär in den alten (mündlich überlieferten) Stammesrechten, kirchlich-christlichen Vorschriften und den neu eingeführten Sonderrechten des Königs zu suchen.

Nach dem Tod Chlodwigs führten seine Söhne Childebert (* um 497; † 558) und Clothar (* um 500; † 561) die Lex Salica in ihren Reichen allgemein durch, nachdem sie den bisherigen 78 Titeln des Gesetzwerkes noch 15 Titel beigefügt hatten. Der dritte Sohn Theuderich (* vor 484; † 533) beschränkte die 'Lex Salica' in seinem Reich offenbar lediglich auf Gallien.

Im Verlauf der Veränderungen der merowingischen Reichsteile setzten sich späte Formen der 'Lex Salica' als allgemeines Gesetz der salischen Franken durch, wobei es regionale Varianten gab.

Überlieferungsgeschichte
Die Forschung unterscheidet heute verschiedene Textklassen der 'Lex Salica', die uns entweder noch vorliegen oder auf deren Existenz aufgrund der vorhandenen Überlieferungen geschlossen werden kann.

Das in der Trierer Stadtbibliothek vorliegende Fragment lässt sich als althochdeutsche Übersetzung einordnen, die auf der Grundlage der lateinischen, so genannten karolingischen Textklasse entstanden ist. Diese Schriften sind Karl dem Großen (*wahrscheinlich 2. April 747 oder 748; † 28. Januar 814 in Aachen) zu verdanken, der sich im Rahmen seiner Bemühungen, das soziokulturelle Erbe zu erfassen, zu systematisieren und zu bewahren (sog. Karolingische Renaissance), unter anderem auch um die Aufzeichnung von alten Volksrechten verdient gemacht hat.