Lex Salica-Fragment

9. Jahrhundert nach Christus

Fragment Lex Salica Mappe X Nr. 1


Fragment Lex Salica Mappe X Nr. 1 Rückseite
Entstehung 'Lex Salica' und juristischer Inhalt

Bei der 'Lex Salica' handelt es sich um die Aufzeichnung eines Volksrechtes, dem Recht der Salfranken, einem der bedeutendsten Volksrechte des frühen Mittelalters.

Dabei liegt bei der 'Lex Salica', entsprechend der weiteren Volksrechte, eine schriftliche Fixierung bisher mündlich überlieferter Rechtsgepflogenheiten vor.
Aufgrund der geringen Romanisierung der Franken zum Zeitpunkt der Entstehung gibt der Text über den konkreten rechtlichen Inhalt hinaus Aufschluss über die tatsächliche germanische Lebenswelt der entsprechenden Zeit. Da verhältnismäßig wenige Quellen über die entsprechende Zeit existieren, ist die 'Lex Salica' nicht nur für Rechtswissenshaftler von hohem Interesse, sondern gerade auch für Historiker von besonderer Bedeutung.
Zeitlich schließt die Gesetzgebung der Salfranken an die der Westgoten ('Lex Visigothorum' - ca. 506 n. Chr.) und die der Burgunder ('Lex Burgundionum' - ca. 480 bis 501 n. Chr.) an, inhaltlich und formal bestehen jedoch große Unterschiede.
Darüber hinaus ist zu bemerken, dass bei allen Gesetzestexten immer noch fraglich ist, inwieweit eine tatsächliche Umsetzung stattgefunden hat und inwiefern die jeweiligen Rechtstexte über ihre bloße Existenz hinaus eine Relevanz im juristischen Alltag der Bevölkerung gespielt haben.

Aus rechtsgeschichtlicher Sicht stellt die 'Lex Salica' den Übergang zwischen Fehdewesen und herrschaftlich geregelter Rechts- und Friedensordnung dar, bietet demnach eine zunehmende Rechtssicherheit und kann als verhältnismäßiges Novum und Fortschritt im Rechtswesen der jeweiligen Zeit betrachtet werden.
Darüber hinaus finden sich kaum Beispiele für eine Abhängigkeit der 'Lex Salica' von spätantikem Recht trotz der zeitlichen Nähe zur Spätantike, was im Vergleich zu anderen zu der Zeit verschriftlichten Volksrechten anderer germanischer Stämme auf ehemals römischen Boden außergewöhnlich ist.

Strukturell kann man grundsätzlich katalogähnlich angeordnete Bußtitel und Konstitutionen unterscheiden.
Die Bußtitel dienen in diesem Zusammenhang der Friedenserhaltung und Rechtsordnung, ähneln allerdings auch teilweise dem Sühnerecht. Es werden festgelegte Geldbeträge den jeweiligen Gesetzesübertretungen zugeordnet, bei gleichzeitigem Verbot weiterer Fehdehandlungen.

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stilit geƚte soƚ xu foruzan
haubit inti virđ
Wer ein zweijähriges Schwein stiehlt,
soll 15 Schillinge
zusätzlich zum Wertersatz und Weigerungsgeld zahlen.


Die Konstitutionen dienen in diesem Zusammenhang der Sicherung des Rechtsweges des jeweiligen Stammesmitgliedes, damit einhergehend der aus heutiger Sicht besonders interessanten Lebensordnung.
Die Verfahrensweise bei tatsächlichen Prozessen wird geregelt (Prozessordnung), außerdem soll der Bevölkerung die jeweils rechtmäßige Verhaltensweise, zumindest aus juristischer Perspektive, aufgezeigt werden und das soziale Leben ordnen.

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Wenn einer in des Königs Diensten unterwegs handelt, so kann er nicht vorgeladen werden.