Lex Salica-Fragment

9. Jahrhundert nach Christus

Fragment Lex Salica Mappe X Nr. 1


Fragment Lex Salica Mappe X Nr. 1 Rückseite
Zur Vorlage der althochdeutschen 'Lex Salica'

Das hier vorliegende Fragment stammt aus einer Übertragung der 'Lex Salica' in das Althochdeutsche. Es wird auf das zweite Viertel des 9. Jahrhunderts datiert und basiert auf einer lateinischen 'Lex Salica'-Fassung der so genannten 'Lex Salica Karolina'. Dies sind die lateinischen Textfassungen, die unter Karl dem Großen verfasst worden sind. Geschrieben wurde die Handschrift, wie Bernhard Bischof feststellte, in Mainz.

Vorlage aus Fulda?
Lange Zeit wurde in der Forschung davon ausgegangen, dass der Entstehungsort der 'Lex-Salica'-Übersetzung, aus der das Fragment stammt, Fulda sei. Vermutet wurde auch eine Entstehung etwa in Trier oder Würzburg.
Unklar ist dagegen jedoch, ob es eine frühere althochdeutsche Vorlage für die hier vorliegende 'Lex-Salica'-Übersetzung gegeben hat, die dann später in Mainz abgeschrieben worden ist. Die sprachliche Gestalt des Textes scheint durch ältere Vorlagen bestimmt zu sein, was die Existenz einer solchen Vorlage wahrscheinlich macht. Die Frage wäre dann, wo diese Vorlage entstanden sein könnte. Über eine Untersuchung sprachlicher Kriterien wurde versucht, diese Frage zu klären und es stehen sich zwei Positionen gegenüber:

Auf der einen Seite vertritt Dieter Geuenich die Ansicht, dass keine ausreichenden sprachlichen Kriterien im Text erkennbar sind, die die Existenz einer Fuldaer Vorlage belegen würden. Folgende Untersuchung führte zu diesem Schluss:
Um lautliche und graphische Gepflogenheiten der Fuldaer Schreibschule mit denen der 'Lex Salica' vergleichen zu können, wurden 360.000 Belege von volkssprachigen Namenüberlieferungen der Klostergemeinschaft in Fulda herangezogen. Diese wurden auf lautliche und graphische Gemeinsamkeiten mit der 'Lex Salica' hin untersucht. Das Ergebnis war, dass sich insgesamt zu wenige Übereinstimmungen zwischen der 'Lex Salica' und der Schreibweise der klösterlichen Namensregister ergaben, als dass von einer Vorlage aus Fulda ausgegangen werden könne.

Ein Beispiel:
Das anlautende p in pentinga (Siehe Z. 57) ist unverschoben, das heißt, es ist noch nicht zu ph verschoben (Nhd.: Pfennig).
Eine Parallele dazu ließ sich in den Graphiegewohnheiten in der Fuldaer Namensüberlieferung nicht finden. Dies spräche also nicht dafür, dass Fulda als Entstehungsort der Vorlage wahrscheinlich wäre.

Gegen diese Interpretation spricht nach Rosemarie Lühr, dass eine deutsche Übersetzung der lateinischen 'Lex Salica' bereits zu Anfang des 9. Jahrhunderts (zwischen 802-817) in Fulda entstanden sein müsse. Somit stamme die Vorlage, die dann später in Mainz abgeschrieben worden sei, aus Fulda. Auch diese These stützt sich unter anderem auf die Namenüberlieferungen:

Ein Beispiel:
Die auffallende Doppelschreibung zur Bezeichnung langer Vokale scheint auf Fulda als Entstehungsort zu verweisen, denn sie findet sich auch schon in fuldischen Personennamen:
Die Schreibung mooter (Z. 56) etwa entspricht dem fuldischen Personenname Moothari, der sich in Urkunden aus Fulda findet.

Insgesamt weist also einiges auf die Existenz einer Vorlage hin. Eine Lokalisierung der Vorlage ist indes nicht eindeutig auszumachen.