Trierer Verse


Hs 564/806 8°


Entstehung

Bei den 'Trierer Versen' handelt es sich um einen Spruch aus der Handschrift Nr. 564/806 8°, die sich nun im Besitz der Trierer Stadtbibliothek befindet. Vorher gehörte sie zum Bestand der Bibliothek der Trierer Abtei St. Eucharius (heute St. Matthias). Nach der Säkularisierung der Trierer Klöster (um 1802) wurden die Bibliotheksbestände zum Großteil in die Stadtbibliothek gebracht; so auch die Handschrift, die die 'Trierer Verse' enthält.
Bei der Handschrift handelt es sich um einen Kodex, der wohl erst im 15. Jahrhundert zusammengebunden wurde und der Schriften unterschiedlichen Alters sowie verschiedener Themen enthält. Der älteste Text im Kodex entstammt einer Zeit um 800. Es handelt sich um einen Bericht des Pseudo-Methodius über die Geschichte des Menschengeschlechtes von Adam bis zum jüngsten Gericht. Der jüngste Text entstammt einer Zeit um das 14. Jahrhundert. Behandelt werden hier Erläuterungen zu den Sonntagspredigten bzw. Merkworte verschiedener Doktoren. Alle Texte des Kodex sind in lateinischer Sprache verfasst.
Der für die 'Trierer Verse' relevante Text steht auf den Blättern 61-70 und enthält Bemerkungen des Isidor von Sevilla zu den vier Evangelien. Eingebettet in diese Handschrift, findet sich nun am unteren leeren Rand von Blatt 65v der geheimschriftliche Text der 'Trierer Verse'. Der Isidor-Text ist älteren Datums als die 'Trierer Verse'. Richard Laufner datiert ihn auf die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert, Keuffer auf das 8. Jahrhundert.
Aufgrund seiner sprachlichen Konzeption kann der Spruch der 'Trierer Verse' dem 9. Jahrhundert zugeordnet werden. Ob er zu dieser Zeit auch in Trier entstanden ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die sprachlichen Eigentümlichkeiten lassen aber Trier auch als Entstehungsort zu.

Erwähnenswert ist außerdem, dass die 'Trierer Verse' gleich zweimal entdeckt wurden:
Zunächst veröffentlichte sie Elias von Steinmeyer im Jahre 1916. Gustav Ehrismanns berücksichtigt sie in seiner 1932 erschienen Literaturgeschichte.
Dennoch präsentierte Richard Laufner die 'Trierer Verse' im Kurtrierischen Jahrbuch 1965 als neue Entdeckung. Diese "Neuentdeckung" wurde jedoch relativ bald von Rudolf Schützeichel richtig gestellt.