Trierer Verse


Hs 564/806 8° f 65v
Sprachliche und lautliche Besonderheiten

Es gibt eine Reihe von Anhaltspunkten dafür, dass der Text als mittelfränkisch eingeordnet werden kann. Ein Hinweis in den 'Trierer Versen' ist z.B. das the 'der'. Allerdings ist diese r-lose Form the (neben ther) auch in althochdeutschen Texten aus anderen Gebieten zu finden. Dennoch passt sie gut in den mittelfränkischen Raum. Weiterhin verweist die Spirans ch in chenist auf das Gebiet nördlich von Hochwald und Hunsrück sowie das bis ins Mittelalter hier übliche gan statt gen 'gehen' (heute trierisch gin). Ein weiteres Merkmal des Moselfränkischen ist das kurze e aus i in es 'ist' und der völlige Abfall des nebentonigen o in themo (im Text: then), sinemo (im Text: sinen). Durch diesen Abfall tritt das -m bei diesen Wörtern in den Auslaut und es findet eine Abschwächung dieses auslautenden -m zu -n statt. Weiterhin ist bei Wörtern wie namon und colbon auf den vollen Vokal o in der nebentonigen Silbe hinzuweisen. Hierbei handelt es sich um eine weitere, wenn auch seltene, moselfränkische Besonderheit (vgl. z.B.: Bollunthorp 'Bollendorf', Gisonhove 'Gesenhofen' u.a.). Abschließend muss das intervokalische –d- für ahd. –t- genannt werden, dass beispielsweise in bidan und ureidōn auftritt. Aufgrund dieser Merkmale ist der Text dem Moselfränkischen im Raum Trier zuzuordnen und dies entspricht der häufigen Annahme, dass er in St. Eucharius (später St. Matthias) bei Trier niedergeschrieben worden sein könnte.

Richard Laufner weist darauf hin, dass die Geheimschrift den gleichen plumpen Endreim aufweist, wie er im Ludwigslied verwendet wurde. Das Ludwigslied wurde wohl vor dem Tod Ludwigs III. gedichtet, welcher am 5. August 882 starb. Dieser Reim wird auch als Otfrid-Vers bezeichnet, da er auch von Otfrid von Weißenburg verwendet wurde, der wohl gegen 870 starb. Kennzeichnend für diesen Vers sind unvollkommene Reime, wie beispielsweise gibant:gān. Auch die zuvor genannten, für das Mittelfränkische typischen Abschwächungen sind bei Otfrid in allen Handschriften sowie in frühen Glossen aus Würzburg und Köln anzutreffen. Weiterhin sind bei Otfried und im Ludwigslied die Abschwächung des e zu i in der Vorsilbe gi-, der Endungsvokal e in diuvel und das anlautende d- sowie das inlautende –v- zu finden.