Trierer Verse


Hs 564/806 8° f 65v
Verwendung im Exorzismus

Die 'Trierer Verse' beziehen sich auf den Abfall der Engel von Gott und die Verbannung Satans in die Hölle durch Christi. Sie werden in Form eines Beschwörungsritus gebetet. Der allmächtige Gott wird um Hilfe gebeten, den unreinen Geist und damit Feind des Menschengeschlechts auszutreiben.

Das Motiv der Fesselung des Teufels kommt häufig in der Liturgie vor. Volkssprachliche, althochdeutsche und altsächsische Zaubersprüche und Segen sind vor allem in zwei Gebrauchsrahmen überliefert. Zum einen findet man diese als Nachträge in Handschriften, die Predigten, Gebete oder liturgische Texte enthalten, wie auch im Fall der 'Trierer Verse', oder auch als Schriften in kleinen Sammlungen zusammen mit lateinischen oder auch volkssprachigen medizinischen Rezepturen. Dieser Überlieferungstyp liegt beim 'Trierer Pferdesegen' und 'Trierer Blutsegen' vor.

Als Zeugen der literarischen und mündlichen Urgründe der Magie vertreten lateinische, altsächsische und althochdeutsche Zauberformeln einen breiten Strom volkssprachiger Zaubertexte aus allen Zeiten des Mittelalters. Eine große Masse der Texte ging verloren, so dass heute nur noch ein schmales Corpus aus der Frühzeit erhalten ist.

Die meisten Zauber richteten sich auf die Heilung von Krankheiten, auf Errettung aus Gefahren, Schutz vor Unheil und Abwehr des Bösen. Durch Magie wurde versucht, übernatürliche Kräfte zu gewinnen und dadurch den Unheil bringenden Dämon zu bezwingen.

Altdeutsche Zauber und Segen waren primär auf die Sorgen des Alltags einer landwirtschaftlichen Welt gerichtet. Der Teufel und seine Gefolgsleute (satellites), d.h. die Dämonen, wurden als Verursacher allen Unheils und Unglücks angesehen. Nur Priester und Mönche konnten ihn bekämpfen. Gerade im Exorzismus war es üblich, den bösen Geist mit Stockschlägen aus dem Besessenen auszutreiben.

Schon in der christlichen Liturgie sind solche Beschwörungen, Exorzismen und Austreibungen unreiner Geister dokumentiert. Darunter finden sich Schutzformeln und Benediktionen, die die Versiegelung von Objekten und Personen gegen den Eintritt allgegenwärtiger Dämonen bezwecken.